Nicht nur bei der Frage: Kohlenhydrate oder eher nicht, sondern auch bei künstlichen Süss-Stoffen schlagen die Wogen hoch! Erbitterte Glaubenskriege sind hier keine Seltenheit und jeder weiss es natürlich besser…
Die Vorliebe für den süssen Geschmack wurde uns schon in die Wiege gelegt: süss heisst in der Evolution reif und gut. Im Gegensatz zu bitter für unreif und ungeniessbar.
Natürlich ist dies nur eine Verallgemeinerung, wenn man zum Beispiel an heilende Kräuter denkt. Aber wir mussten im Neandertal auf Nummer Sicher gehen können. Einen zweiten Versuch gibt es in der Natur meist nicht…
Und jeder erfahrene Low-Carber hat in seinem Standardrepertoire die ein oder andere Süss-Speise, die er sich ab und zu einfach gönnen muss.
Aber woher bekommen wir den süssen Geschmack? Süss = Kohlenhydrate und genau die sollten wir eben meiden. Zucker ist sogar ein reines Kohlenhydrat – und sonst nichts. Auch wenn Rohrzucker draufsteht und mit Naturreinheit geworben wird, ist er in einer kohlenhydatarmen Ernährung fehl am Platz.
Genauso sieht es mit Honig aus. Sei er noch so naturbelassen und kaltgeschleudert. Seine Hauptbestandteile sind Kohlenhydrate, von denen wir uns verabschieden sollten.
Also bieten sich hier die künstlichen Süsstoffe an, die zu dem auch noch kalorienfrei sind.
Aber hier geht der Streit schon los! 2 Thesen stehen sich hartnäckig gegenüber.
Die Gegner behaupten, Süss-Stoffe verursachen Krebs, werden zur Schweinemast genutzt (Masthilfsmittel) und fördern, durch den süssen Geschmack, einen Insulinausstoß. Dieser Insulinausstoß sei ausgesprochen schädlich, weil es keinen Zucker zum Verbrennen im Körper gäbe und der Insulinspiegel somit absolut in den Keller rutsche.
Die Befürworter halten dagegen, dass die Erhöhung des Krebsrisikos nur durch Tierversuche im Labor herbeigeführt werden konnte. Dazu wurden Ratten täglich mit Süss-Stoffmengen gefüttert, die bei Menschen unmöglich zu erreichen sind (in Relation zum Körpergewicht).
Ähnlich verhält es sich mit Süss-Stoffen als Masthilfsmittel. Schweine werden tatsächlich mit gesüsstem Futter gemästet. Dies funktioniert aber dadurch, dass das Futter einfach süss schmeckt und die Tiere somit viel mehr fressen. Süss-Stoffe sind billiger – die gleiche Wirkung würde auch mit Zucker erzielt werden.
Das Argument mit dem erhöhten Insulinspiegel könnte ebenfalls hinken. Denn es gibt auch Experten, die dem menschlichen Körper mehr Intelligenz zutrauen: der Körper schüttet keine Insulin aus, wenn er süssen Geschmack wahrnimmt, sondern erst, wenn tatsächlich Zucker im Blutkreislauf vorhanden ist.
Eine ganz andere Alternative wäre Stevia! Die Pflanze wird in anderen Ländern bereits seit Jahrhunderten u.a. zum Süssen von Speisen und Getränken genutzt. Leider ist sie in der EU als Lebensmittel noch nicht zugelassen. Sie ist praktisch kalorienfrei und beeinflusst auch den Insulinspiegel in keinster Weise. Man bekommt sie bei uns in Gartenmärkten und auch im Internet.

Tja, was sagt man dazu? Heute wieder ein interessanter Bericht in der Sendung „Maintower“ des Hessischen Rundfunks um 18.10h:
eine türkische Mitbürgerin hat in 5 Monaten 14kg abgenommen – und das ohne zu hungern. Von 78kg auf 64kg – der Erfolg war ihr direkt ins Gesicht geschrieben, will heissen: sie sah ohne die überflüssigen Pfunde zierlicher und gesünder aus. Erstaunlich, welchen optischen Unterschied 14 kg machen können.
Mit der herkömmlichen Ernährung fühlte sie sich am Abend immer total müde und würde nur noch auf der Couch abhängen. Ein Phänomen, das nicht nur von Atkins beschrieben wurde, sondern von dem eigentlich alle Low-Carber ein Lied singen können. Viele Kohlenhydrate: Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Abgeschlagenheit. Wenige Kohlenhydrate: Power, Wachheit und Energiezuwachs.
Wie sie es gemacht hat? Nun ja, sie wurde anscheinend von einem Ernährungswissenschaftler beraten. Das Wichtigste an ihrer Diät: keine Kohlenhydrate ab 17.00h!
Und sie möchte natürlich weitermachen: noch 6 kg sollen runter.
Die neuesten Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft scheinen zu sein (bzw. haben zumindest in ihrem Fall eindeutig Wirkung gezeigt):
* keine Kohlenhydrate mehr ab 17.00h, weil der Körper bis zu dieser Zeit 70% Kohlenhydrate verbrennen kann, dann aber in einen anderen Modus schaltet und 70% Fett verbrennt
* 3 tägliche Mahlzeiten, keine Zwischenmahlzeiten, weil der Insulinspiegel (und damit die Fetteinlagerung) sonst immer wieder ansteigt – ohne Insulin, keine Fetteinlagerung!
* Zwischen den Mahlzeiten sollten somit mindestens 4 Stunden Pause liegen
* laut Fernsehbericht soll aber auf Kohlenhydrate nicht ganz verzichtet werden, denn die bringen dem Körper einfach morgens Energie und verhindern Konzentrations- und Gedächtnisschwächen

Okay, eigentlich gibt es ja keine Ernährung, die absolut kohlenhydratfrei ist, denn eine geringe Menge ist in allen Nahrungsmitteln – je nach Ernährungsphilosophie sicher ein kontroverser Punkt. Leider bestätigt die Erfahrung immer wieder, dass es an der Kohlenhydratgrenze gefährlich und schwierig werden kann, da das hormonelle Gefüge kippen kann. Somit gerät man wieder in Gefahr einen „Kohlenhydrat-Jeeper“ mit allen nachteiligen Folgen zu bekommen. Aber das muss jeder individuell austesten…

Grundsätzlich scheinen sich aber doch die Anzeichen zu verdichten, dass eine Kohlenhydratmast dem menschlichen Körper alles andere als zuträglich ist.